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Infrastruktur10. Juli 2026

Harvest now, decrypt later: Warum Ihre Verschlüsselung heute schon ein Quantenproblem hat

Einen Quantencomputer, der heutige Verschlüsselung bricht, gibt es noch nicht. Der Angriff läuft trotzdem — seit Jahren. Er heißt „Harvest now, decrypt later“: Angreifer und Nachrichtendienste fangen verschlüsselte Daten heute ab, speichern sie billig und entschlüsseln sie, sobald die Rechenleistung da ist.

Für Daten mit kurzer Vertraulichkeit ist das egal. Für alles mit langer Schutzdauer — Verträge, Konstruktionsdaten, Patente, Gesundheits- und Personaldaten — ist es hochbrisant. Denn diese Daten sind heute schon kompromittiert, wenn ihre Geheimhaltungsfrist über den „Q-Day“ hinausreicht. Der wird derzeit auf einen Zeitraum zwischen 2033 und 2037 geschätzt.

Die Standards sind da — die Uhr läuft

Das ist keine ferne Theorie mehr. Die US-Standardisierungsbehörde NIST hat im August 2024 die ersten Post-Quantum-Standards finalisiert:

  • FIPS 203 (ML-KEM, vormals Kyber) für den Schlüsselaustausch — der Ersatz für klassisches Verfahren wie ECDH.
  • FIPS 204 (ML-DSA, vormals Dilithium) für digitale Signaturen — der Ersatz für RSA- und ECDSA-Signaturen.
  • FIPS 205 (SLH-DSA) als hash-basiertes Signatur-Backup mit anderem mathematischen Fundament.

NIST hat zugleich einen Fahrplan vorgegeben: RSA-2048 und ECC P-256 gelten ab 2030 als veraltet und werden bis 2035 vollständig aus den Standards entfernt. Das BSI empfiehlt schon länger, frühzeitig auf hybride Verfahren zu setzen — klassische und quantensichere Kryptografie parallel.

Ein Datenleck von morgen
passiert womöglich mit dem Datenverkehr von heute.

Warum „später umstellen“ keine Option ist

Der Umstieg ist kein Software-Update, sondern ein architektonisches Vorhaben. Realistisch dauert eine vollständige Migration fünf bis fünfzehn Jahre — abhängig davon, wie viele Systeme, Protokolle und Zertifikate im Spiel sind. Wer erst startet, wenn der Quantencomputer da ist, hat verloren. Und die harvest-now-Daten sind ohnehin längst weg.

Was der Mittelstand jetzt tun sollte

Niemand muss 2026 alles umstellen. Aber jeder sollte anfangen zu verstehen, wo er steht:

  • Krypto-Inventur: Wo wird überhaupt verschlüsselt — VPNs, TLS, E-Mail, Backups, Signaturen, Zertifikate?
  • Langlebige Geheimnisse identifizieren: Welche Daten müssen länger als zehn Jahre vertraulich bleiben? Sie haben Priorität.
  • Krypto-Agilität schaffen: Systeme so aufstellen, dass sich Algorithmen austauschen lassen, ohne alles neu zu bauen.
  • Lieferanten fragen: Welche Post-Quantum-Roadmap haben Ihre Hersteller und Cloud-Dienste? Wer keine hat, ist ein Risiko.

Post-Quantum klingt nach Zukunft. Der erste Schritt ist es nicht: eine ehrliche Bestandsaufnahme Ihrer Verschlüsselung. Wo Ihre Sicherheitsarchitektur heute steht, ordnen wir gemeinsam ein — inklusive der Frage, welche Daten wirklich langfristig geschützt gehören.

Quellen: NIST FIPS 203/204/205 (finalisiert August 2024); NIST IR 8547 (Transition to Post-Quantum Cryptography Standards); BSI-Empfehlungen zu quantensicherer Kryptografie.

Ihre IT verdient mehr.

Wenn Sie IT nicht länger als Kostenstelle, sondern als Verantwortung verstehen, sollten wir sprechen.